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Ein Großteil der Bestandsgebäude in Deutschland ist energetisch auf einem schlechten Stand. Wie dieses Sanierungspotenzial am besten gehoben werden kann, haben Fachleute beim Herbstforum Altbau am 20. November 2025 in Stuttgart gezeigt. Im Fokus stand, wie Energieeffizienz und erneuerbare Energien den Gebäudebestand zukunftsfähig machen können sowie aktuelle Entwicklungen in der Sanierungspraxis. Auch der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg war mit einem Fachvortrag vertreten. An der Veranstaltung nahmen mehr als 1.000 Fachleute aus Energieberatung, Architektur, Planung und Handwerk teil – rund 450 vor Ort, der Rest online. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Verbänden und Kammern waren Gäste der Tagung in Stuttgart. Den Schwerpunkt des 27. Herbstforum Altbau bildeten Beiträge aus der Praxis. Doch auch gesellschaftliche Fragen zum Klimaschutz waren Thema der Leitveranstaltung der Sanierungsbranche in Süddeutschland.

Wärmepumpe richtig dimensionieren

Constanze Bongs, Deutschlands erste Professorin für Wärmepumpen von der Hochschule Karlsruhe erklärte in ihrem Fachbeitrag beispielsweise, was bei der Dimensionierung von Luft-Wasser-Wärmepumpen im Altbau zu beachten ist. Die Ergebnisse ihrer neuesten Studien zeigen, dass Wärmepumpen im Durchschnitt um den Faktor 1,5 überdimensioniert sind. Dies kann bei einer guten Planung vermieden werden.

Bongs erklärte die wichtigsten Planungsschritte, etwa die raumweise Heizlastberechnung und die Auslegung der Wärmeübergabe. Bei der Heizlastberechnung sei das Wettercockpit von Zukunft Altbau empfehlenswert. Es macht Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes einfach und anschaulich verfügbar. Auch die Auswahl der Betriebsweise, also die Entscheidung, ob ausschließlich eine Wärmepumpe (monovalent) oder ein Hybridsystem mit beispielsweise einer zusätzlichen Gastherme (bivalent) genutzt werde, müsse gut geplant werden. Ihr Fazit: Bei einem richtigen Vorgehen könne man eine Überdimensionierung vermeiden.

Auf Planung und Einstellungen kommt es an

Jörg Knapp, der Leiter des Referats Technik beim Fachverband Sanitär Heizung Klima Baden-Württemberg, betonte in seinem Vortrag, dass bei 90 Prozent der Problemfälle mit Wärmepumpen nicht das Gerät selbst im Fokus stehe, sondern eine unzulängliche Planung. Um sie zu vermeiden, sei unter anderem ein hydraulischer Abgleich wichtig – dies gelte auch bei anderen Heizungsarten. Der untere und obere Bivalenzpunkt und die Heizgrenztemperatur haben ebenfalls eine große Auswirkung auf die Effizienz der Wärmepumpe. Der Experte erklärte auch die Bedeutung der Taktzeiten. Zu hohe Taktzeiten seien Gift für die Lebensdauer und den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Empfehlenswert seien Werte zwischen 1.000 bis 2.000 Taktungen im Jahr – bis zu 16.000 Schaltvorgänge wurden jedoch in aktuellen Projekten gemessen.

Zu beachten sei zudem der Aufstellungsort, so Knapp. Er habe einen großen Einfluss auf die Effizienz. Stehe das Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe beispielsweise in einer Nische, könne die Kälte nicht abströmen. Dem Gerät stünde dadurch keine frische Luft als Wärmequelle zur Verfügung, sondern nur die bereits heruntergekühlte Abluft der Wärmepumpe. Dadurch benötige sie dann mehr Strom. Zuletzt ging Knapp auch auf die wichtige Schnittstellenabstimmung zwischen dem Elektro- und Heizungsgewerk und auf den Nutzen von Home-Energiemanagement-Systemen (HEMS) ein.

Wasserstoff in der Wärmeversorgung

Der Geschäftsführer der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) Volker Kienzlen zeigte in seinem Vortrag die Grenzen und Chancen von grünem Wasserstoff für die Wärmeversorgung auf. Er stelle ein Positionspapier vor, das er mit zahlreichen anderen Fachautoren verfasst hat. Darin erklären die Fachleute, warum ein klimaneutrales Energie- und Wirtschaftssystem Wasserstoff braucht – er aber nicht überall eingesetzt werden kann.

Grüner Wasserstoff sei unverzichtbar, so Kienzlen. Vor allem energieintensive Branchen wie Stahl und Chemie brauchten ihn, um treibhausgasneutral zu werden. Für die Beheizung von Gebäuden werde der chemische Energieträger dagegen allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Die Hauptgründe: Grüner Wasserstoff werde auf absehbare Zeit knapp und teuer bleiben. Zudem sei der Einsatz zur Erzeugung von Raumwärme ineffizient. Hier böten sich eher Wärmepumpen und Wärmenetze an.

Erfolgreiche Kommunikation für erneuerbare Energien

Christian Stöcker, Professor für digitale Kommunikation an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und bekannter Spiegel-Kolumnist, zeigte, wie man mit guter Kommunikation Menschen für erneuerbare Energien gewinnt. Stöcker hat dies in dem Buch „Männer, die die Welt verbrennen” exemplarisch vorgemacht. Dort erläuterte er etwa, dass fossile Energien mehr Förderung erhalten, als sie Gewinn machen. Weltweit liege der Gewinn fossiler Energien bei rund einer Billionen US-Dollar pro Jahr – sie erhielten im Gegenzug jedoch rund 1,3 Billionen Euro direkte Subventionen im selben Zeitraum.

Die Vorteile erneuerbarer Energien seien dagegen oft noch unbekannt – und auch ihr massiver Ausbau weltweit. Nichts sei in der Geschichte so schnell gewachsen wie die installierte Leistung von Solar- und Windenergie-Anlagen. Der weltweite Markt habe den Wettstreit fossiler gegen erneuerbare Energieträger längst entschieden, die Zukunft liege bei den Erneuerbaren – und dass trotz der höheren Subventionen für fossile Energien. Die Welt erlebe im Moment eine globale Energierevolution, so Stöcker. Auch in Deutschland liege die Zukunft der Haushalte und der Industrie bei den erneuerbaren Energien.

Zwei Beispiele zeigen die Chancen in Deutschland: In den vergangenen zehn Jahren sind Solarstromanlagen um 80 Prozent günstiger geworden. Dieser Prozess ist noch nicht zu Ende. China macht vor, wie die günstige Stromerzeugungstechnologie in großem Umfang genutzt werden kann. Das Land hat in den ersten sechs Monaten 2025 rund doppelt so viel Photovoltaikanlagen errichtet, wie Deutschland in den vergangenen 25 Jahren insgesamt installiert hat. Stöckers feste Überzeugung: Man kann für Wind- und Solarenergie begeistern, indem man die Rückständigkeit fossiler Energien und die Erfolge des Erneuerbaren-Ausbaus betont.

Wärmepumpe für 250 Jahre alten Schwarzwaldhof

Von einem nicht alltäglichen Wärmepumpeneinbau in einem Schwarzwaldhof berichtete Markus Bur am Orde vom Ingenieurbüro für Energieeffizienz aus Königsfeld. Das 1785 errichtete Gebäude mit Denkmaleigenschaft war für eine Wärmepumpe erst auf den zweiten Blick recht gut geeignet: Der spezifische Transmissionswärmeverlust 𝐻‘t, ein Kennwert, der die Wärmeverluste über die Gebäudehülle angibt, lag in dem Gebäude bei 0,63. Unterhalb von 0,9 ist ein Wärmepumpeneinsatz in der Regel gut möglich, so eine Faustregel des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU).

Der Diplomingenieur führte einen hydraulischen Abgleich durch und stellte die Heizkurve ein. Nach der raumweisen Heizlastberechnung ließ er die Heizkörper im Esszimmer gegen größere austauschen, in den anderen Räumen war dies nicht nötig. Der Ölkessel wurde entfernt und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe eingebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Jahresarbeitszahl liegt bei 3,6.

Den vollständigen Nachbericht zur Veranstaltung finden Sie hier, Präsentationen der Vorträge unter www.zukunftaltbau.de/herbstforum.

Das 28. Herbstforum Altbau findet am Donnerstag, 19. November 2026 statt.

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