24. März 2026

Klempnertreff 2026: Digitalisierung und Zusammenarbeit im Fokus

Der Fachliche Austausch steht seit jeher im Mittelpunkt des Klempnertreff des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg. Bei der 29. Auflage standen am 12. und 13. März 2026 im Kurhaus in Titisee-Neustadt zwei Themen im Mittelpunkt des Treffens von Unternehmern, Fachkräften und Branchenvertretern: die Digitalisierung von Betriebsabläufen und Baustellen sowie Strategien zur Mitarbeitergewinnung und -bindung im Handwerk. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge zu Arbeitssicherheit, neuen digitalen Planungswerkzeugen und Schäden bei Metalldächern.

Die besondere Bedeutung der Branche betonte Fachgruppenleiter Robert Smejkal bereits in seiner Begrüßung: „Es ist nicht nur das Handwerk, das uns verbindet, sondern vor allem unsere gemeinsame Leidenschaft und unsere Tradition”, sagte er und unterstrich damit den Charakter des Klempnertreffs als fachliches und zugleich kollegiales Forum.

Digitalisierung beginnt mit klaren Strukturen

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Digitalisierung im Klempnerhandwerk. Dabei wurde deutlich: Der Erfolg digitaler Werkzeuge hängt weniger von der eingesetzten Software als von der Organisation im Betrieb ab.

Ruben Kaltenbach, Berater und kaufmännischer Leiter in einem Familienbetrieb, stellte in seinem Vortrag klar, dass viele Digitalisierungsprojekte im Handwerk an fehlenden Strukturen scheitern: „Die meisten Probleme entstehen nicht durch Software, sondern durch mangelnde Organisation”, erklärte er. Neue Programme könnten bestehende Probleme sogar verstärken, wenn Prozesse nicht klar definiert seien. „Wenn ein System nicht funktioniert, macht Digitalisierung alles nur schneller – aber nicht besser.”

Kaltenbach empfahl Handwerksbetrieben daher, zunächst ihre internen Abläufe zu analysieren und Engpässe zu identifizieren. Erst auf dieser Grundlage könne entschieden werden, welche digitalen Lösungen tatsächlich einen Mehrwert bringen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Digitalisierung vor allem eine organisatorische Aufgabe ist. Diskutiert wurde unter anderem über digitale Kalkulation, Fördermöglichkeiten, Buchhaltung und die Vernetzung von Werkstatt, Lager und Baustelle. Thorsten Haas vom Handelshaus Gustav Barth verwies darauf, dass digitale Prozesse keineswegs nur für junge Beschäftigte relevant seien. „Digitalisierung macht nicht nur jungen Menschen Spaß”, sagte er und plädierte dafür, alle Generationen im Betrieb in die Entwicklung neuer Arbeitsweisen einzubeziehen.

Mitarbeiter gewinnen und binden

Neben der Digitalisierung war der Fachkräftebedarf ein weiteres zentrales Thema des Treffens. Der Unternehmer und Autor Andreas Seltmann widmete sich in seinem Impulsvortrag der Frage, wie Handwerksbetriebe zu attraktiven Arbeitgebern werden können. Seine zentrale Botschaft: Gute Mitarbeiter lassen sich nicht allein durch höhere Löhne gewinnen. Vielmehr gehe es um eine Unternehmenskultur, in der Beschäftigte Wertschätzung erfahren und sich mit dem Betrieb identifizieren können.

Als wichtige Faktoren nannte er unter anderem Arbeitsplatzsicherheit, eine gute Führungskultur, transparente Kommunikation sowie die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Besonders hob er die Bedeutung von Kommunikation hervor: „Entscheidend ist, miteinander zu sprechen – nicht übereinander.”

Digitale Planung eröffnet neue Möglichkeiten

Einen weiteren Blick auf die Digitalisierung warf Felix Brunold von der VektorNode Design AG. Er stellte digitale Werkzeuge vor, die zunehmend auch in der Planung und Gestaltung von Fassaden und Spenglerarbeiten eingesetzt werden.

Er zeigte, wie mit sogenannten Punktewolken Gebäude oder Baustellen dreidimensional erfasst werden. „Mit dieser Technik lässt sich eine Baustelle praktisch im Maßstab 1:1 digital aufnehmen”, erklärte Brunold. Auf dieser Grundlage könnten Baubesprechungen teilweise auch online stattfinden, während gleichzeitig präzise Planungsdaten zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig betonte Brunold, dass digitale Werkzeuge das handwerkliche Können nicht ersetzen. Sie könnten Prozesse automatisieren und Daten liefern – kreative Entscheidungen und fachliche Verantwortung blieben jedoch weiterhin Aufgabe des Handwerks.

Arbeitssicherheit bleibt zentrale Aufgabe

Beim klassischen Thema Arbeitsschutz machte Joachim Jäger von der BG Bau deutlich, dass Abstürze weiterhin zu den häufigsten Unfallursachen auf Baustellen gehören. Besonders bei Arbeiten auf Dächern sei eine fachgerechte Sicherung unverzichtbar. Dazu gehörten geeignete Anschlagpunkte, stabile Gerüste und geprüfte Materialien. „Bei Anseilschutzsystemen muss unbedingt auf den Kantenschutz der Seile geachtet werden”, erklärte Jäger. Andernfalls könnten Seile an scharfen Dachkanten beschädigt werden.

Handwerksqualität und Zusammenarbeit

Wie für den Klempnertreff typisch, schloss dieser mit einem Vortrag eines Sachverständigen sowie der Vorstellung einer besonderen Spenglerarbeit ab. Sachverständiger Stefan Holz zeigte anhand praktischer Beispiele, wie bereits kleine Ausführungsfehler langfristig zu erheblichen Schäden an Gebäuden führen können. Ziel seines Vortrags war es, typische Ursachen zu erkennen und zu vermeiden.

Zum Abschluss stellte Unternehmer Michael Kirchen ein Projekt aus seinem Betrieb vor. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur technische Lösungen, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Gemeinsam mit Spenglermeister Gerhard Schuler aus Bayern realisierte er ein Fassadenprojekt an der Realschule Grafing bei München. Zum Einsatz kam vorbewitterter Cortenstahl.

Während Kirchen die Fertigung der Blechscharen übernahm, verantwortete Schuler die Montage vor Ort. Besonderes Augenmerk lag darauf, dass sich das Material auf der Baustelle mit klassischen Spenglerwerkzeugen bearbeiten ließ. Dieses Projekt wäre für ihn allein nicht umsetzbar gewesen, betonte Schuler und empfahl den Anwesenden, verstärkt auf Kooperationen untereinander zu setzen. Dies wäre ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft des Handwerks.

Plattform für Austausch und Zukunftsthemen

Mit dem vielfältigen Programm und der Möglichkeit für fachlichen Austausch und kollegiale Begegnung innerhalb der Branche unterstrich der Klempnertreff seine Bedeutung als zentraler Treffpunkt für das Klempnerhandwerk. Wer das 30-Jahres- Jubiläum dieser Traditionsveranstaltung nicht verpassen will, merkt sich gleich den Termin für den 30. Klempnertreff vor: 11. und 12. März 2027.

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