79. Verbandstag: Achterbahnfahrten ohne Ende
GModG im Live-Ticker – Menrath zieht die Grenze
Es war eine Punktlandung mit Ansage-Chaos: Noch am Dienstag vor dem Verbandstag war die abschließende Lesung des GModG im Bundestag abgesagt und auf September verschoben worden. Dann kam das Gesetz kurzfristig doch wieder auf die Tagesordnung  und wurde am Freitag von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, gleichzeitig zur Delegiertenversammlung in Rust. „Wir könnten fast live in die Bundestagssitzung reinschalten”, kommentierte der FV-Vorsitzende Stefan Menrath das Hin und Her.
Umso wichtiger sei die Verschiebung der GEG-Scharfschaltung in Großstädten vom 1. Juli auf den 1. November gewesen – ein Schritt, der Städte, Betriebe und Kunden vor Chaos geschützt habe. „Die Verschiebung ist explizit ein Erfolg unseres Fachverbandes, der dies in die Diskussion in Berlin eingebracht hat”, sagte Menrath.
An die Politik jeder Couleur richtete er eine unmissverständliche Botschaft: Schluss mit den ständigen Verschlimmbesserungen. Keine Reform könne so gut sein, wie die Verunsicherung schade, die jede neue Reformdebatte auslöse. Bis zur geplanten Evaluation des Gesetzes im Jahr 2030 wolle er „von keinem Politiker und keiner Partei auch nur einen einzigen Satz” zum Heizungsrecht hören. „Jetzt ist endlich mal gut!”
Förderkürzung über Nacht: „Eine Katastrophe”
Für Empörung sorgte die kurzfristige Neugestaltung der Heizungsförderung: Am Dienstag vor dem Verbandstag wurde bekannt, dass der Haushaltsausschuss bereits am Mittwoch eine direkt wirksame Kürzung der BEG-Förderung beschließen sollte – ohne dass ein einziger Branchenvertreter informiert oder eingebunden war. „Es ist eine Katastrophe. Man hat eine ganze Branche über Nacht angehalten”, sagte Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), vor den Delegierten. Ein solches Hickhack habe er in 20 Jahren Politik nicht erlebt.
Das Handwerk habe kein Problem mit einer Kürzung der Fördersätze, so Föst. Aber nur unter Beteiligung der Betroffenen und mit Vorlauf, nicht über Nacht. Nun arbeite man mit anderen Verbänden daran, zumindest das Förderverbot in Fernwärmegebieten zu verhindern. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker bat darum, Statements für eine gemeinsame Pressemitteilung zu sammeln. Diese wurde noch direkt am Freitag versendet (siehe Bericht auf Seite X).
Menrath konnte der Situation einen positiven Aspekt der Arbeit des Fachverbands abgewinnen: Kein Betrieb in Baden-Württemberg müsse von der Kürzung überrascht sein. Der FV SHK-BW habe seit fast einem Jahr immer wieder darauf hingewiesen, dass sich eine solche Kürzung andeute, und den Betrieben geraten, die bestehende Förderung aktiv für die Kundenberatung zu nutzen. „Unsere Mitgliedsbetriebe hatten hier einen echten geldwerten Wissensvorsprung.”
Trotz stotternder Konjunktur rief Menrath dazu auf, die Chancen der Branche zu ergreifen: Klimaanlagen und Trinkwasserhygiene in Zeiten der Hitzewellen, altersgerechte Bäder für eine alternde Gesellschaft – und Künstliche Intelligenz als „Megainstrument auch für uns im Handwerk”.
Vorstand: Nachwahl und neue Weichenstellungen
Die Delegierten wählten Markus Rotzinger, Obermeister der Innung Freiburg, in den Vorstand nach. Er folgt auf Achim Thiel.
Erfreuliches berichtete Menrath zum Thema Frauen in der Berufsorganisation: Mit girls@shk und dem SHK-Meisterinnenkreis haben sich seit Oktober 2025 zwei Netzwerke gegründet – „erste zarte Pflänzchen”, die in den kommenden Jahren wachsen sollen. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker gab zudem einen Überblick über das breite Tätigkeitsspektrum des Verbandes im Laufe des Jahres und stellte den digitalen Jahresbericht (www.shk-bw.de/jahresbericht-2025) vor.
GIRLS&BOYS@SHK und TOP Ausbilder: Nachwuchs im Mittelpunkt
Während die Delegierten tagten, arbeiteten die Auszubildenden an sich: Beim interaktiven Coaching-Workshop GIRLS&BOYS@SHK übten 35 Teilnehmende mit Trainerin und Coach Maren Killinger Kommunikation, Konfliktmanagement und souveränes Auftreten – gegenüber Kolleginnen und Kollegen ebenso wie gegenüber Kunden. Das Format geht auf die erfolgreiche Premiere von GIRLS@SHK im Herbst 2025 zurück: Die Teilnehmerinnen hatten sich damals gewünscht, mit ihren männlichen Kollegen auf Augenhöhe zusammenzukommen – dieser Wunsch wurde beim Verbandstag erfüllt.
Parallel traf sich die Fachgemeinschaft TOP Ausbilder, in der seit 2015 die besten Ausbildungsbetriebe des Verbands vereint sind. Ihr Thema: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz sinnvoll, sicher und praxisnah in den Ausbildungsalltag integrieren? Zwischen den Veranstaltungen besuchten die Gäste den Europa-Park, der sich erstaunlich leer präsentierte, sodass neben den gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten mit der Politik ausreichend Zeit für die echten Fahrgeschäfte blieb.
Von den Besten lernen
Wie Innungen Mitglieder gewinnen und halten, zeigten drei Beispiele aus dem Vorstand: Die Innung Karlsruhe-Bruchsal entlastet mit ihrer WERK.bank die Betriebe bei jährlich 600 Prüfungen – die Prüfer sind nur noch die Hälfte der Zeit außer Haus. Rainer Häfele (SHK-Innung Göppingen) besucht gemeinsam mit dem örtlichen Versorger Nicht-Mitgliedsbetriebe, um die Innung vorzustellen – ein Viertel der besuchten Betriebe nimmt die Schnuppermitgliedschaft an. Und die Innung Heidelberg bringt die Jungunternehmer bei einem eigenen Stammtisch zusammen. Die Beispiele sollen der Auftakt für einen dauerhaften Best-Practice-Austausch zwischen den 44 Innungen sein.
„Wärmepumpenexperte”: „Lieber eine Mittelklasse-Wärmepumpe, aber den Top-Installateur”
Den fachlichen Höhepunkt des Samstags setzte Dr. Marek Miara, Gründer des gemeinnützigen Projekts heatpumpswatch.org und langjähriger Wärmepumpen-Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Der Experte berichtete von der internationalen Fachwelt, die nicht verstehe, warum Deutschland seine Wärmepumpen-Ziele reduziere. Seine Zahlen sprachen für sich: In Norwegen liegt der Wärmepumpen-Anteil an den Heizungen bei 97 Prozent, in Deutschland bei 28 – im Saal sorgte das für ungläubiges Gelächter. Frankreich habe den Anteil der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern innerhalb von fünf Jahren von vier auf 45 Prozent gesteigert. Der deutsche Markt dagegen fahre Achterbahn: plus 50 Prozent 2022, minus 50 Prozent 2023, plus 50 Prozent 2024: „Das gibt es in keinem anderen Land der Welt”.
Schon heute sei die Wärmepumpe im Vergleich zur Gasheizung um den Faktor sieben ökologischer, bis 2030 um den Faktor zehn. An konkreten Beispielen rechnete Miara vor, dass sich die Technik auch finanziell lohnt – und im Altbau funktioniert. Seine wichtigste Botschaft an die Betriebe: Planung, Installation und Einstellung seien absolut entscheidend für Effizienz und Langlebigkeit. Wenn er gefragt werde, rate er den Kunden stets: „Lieber eine Mittelklasse-Wärmepumpe nehmen, aber den Top-Installateur.”
Zukunft der Ausbildung: Zwei Welten im Betrieb
Zum Abschluss diskutierte ein prominent besetztes Podium über die Zukunft der Ausbildung: Betriebsinhaber und Content Creator Cehan San, Berufsschullehrer Martin Schell (Berufsschule Bühl), TOP-Ausbilder-Mitbegründer Hans-Peter Seitz und Auszubildender Simon Rentschler – der Letztgenannte berichtete auch aus dem Workshop des Vortags. Die Moderation übernahm SBZ-Chefredakteur Dennis Jäger.
Seitz beschrieb etwas überspitzt, wie im Betrieb zwei Welten aufeinandertreffen: erfahrene, technisch versierte Gesellen, die mit digitalen Tools wenig anfangen können – und Jugendliche, für die diese selbstverständlich sind. Im Team könnten beide voneinander profitieren. Der Kampf um die Azubis werde sich aufgrund der Demographie weiter verschärfen; Social Media, Bildungspartnerschaften mit Schulen und regionale Messen seien die Antworten darauf. Schell forderte eine dringende Überarbeitung des Bildungsplans, der noch von 1996 stammt: „Zwei Stunden Wärmepumpe” – hier könnten die Verbände einwirken. Rentschler berichtete, ihn hätten Praktika überzeugt: „Man macht jeden Tag etwas anderes.” San zeigte in seinem Workshop zudem live im Saal, wie Betriebe Instagram-Videos erstellen, schneiden und veröffentlichen – und wie er über Social Media erfolgreich Azubis rekrutiert. Eine der Kernbotschaften: Bevor man in die Social Media-Kommunikation einsteige, müsse man sich erst selbst die Frage stellen, warum man etwas posten wolle. Und wem das überhaupt nicht liegt und als Unternehmen dennoch erfolgreich ist, könne weiter ohne Social Media leben.
Festabend mit spektakulärer Unterhaltung
Bereits am Donnerstag hatte der Vorstand getagt – auf der Tagesordnung standen unter anderem kommunale Bündelungsaktionen beim Heizungstausch, die Zukunft der Kältemittelschulungen und die schwierige Nachwuchssituation im Ofen- und Luftheizungsbau. Beim Festabend am Freitag würdigte Menrath den Gastgeber: 50 Jahre Europa-Park stünden für Werte, die auch das Handwerk prägen – Verantwortung, Leidenschaft und das Bewusstsein, dass ein Unternehmen mehr ist als eine Bilanz. Für spektakuläre Unterhaltung im restlos gefüllten Ballsaal Berlin sorgten die Künstler des Europa-Parks. Für gute Laune bei allen Veranstaltungen und beim Rahmenprogramm sorgte die gastgebende SHK-Innung Kehl-Hanauerland-Lahr. „Tragt alle eure Hüte, damit keiner einen Sonnenstich bekommt!”, rief Obermeister Michael Pfütze den Gästen zu. Denn die Innung hatte für alle Teilnehmer Sonnenhüte besorgt.
Die besten Nachwuchskräfte auf der Bühne
Ein Höhepunkt des Festabends: die Ehrung der Landessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2025 – dem größten Berufswettbewerb Europas mit rund 3.000 Teilnehmenden. Bei den Anlagenmechanikern für SHK-Technik siegte Ben Nopper, der sich darüber hinaus den ersten Platz im Bundeswettbewerb in Leipzig sicherte. Zweiter Landessieger wurde Mark Büche, dritter Philipp Schreck. Im Behälter- und Apparatebau gewann Elvis Bytyci vor Arian Schneider.
Im Klempnerhandwerk siegte Andreas Beck, der zudem den ersten Platz im Bundeswettbewerb in Meiningen holte, vor Paul Valentin Ranalder – beide konnten nicht persönlich anwesend sein. Eine besondere Würdigung erhielt Quentin Gramm: Er wurde bei den EuroSkills 2025 im dänischen Herning Vize-Europameister im Klempnerhandwerk.
Ausgezeichnet für langjähriges Engagement
Traditionell ehrte der Fachverband bei der Mitgliederversammlung verdiente Ehrenamtsträger: Mit der Silbernen Ehrennadel wurden die Obermeister Thomas Braun, Harald Frick und Bernd Wölfle ausgezeichnet – alle drei seit 2016 im Amt. Die Goldene Ehrennadel erhielt Stefan Menrath für 20 Jahre Engagement in der Berufsorganisation: seit 2006 Obermeister, seit 2011 im Vorstand, seit 2023 Vorsitzender des Fachverbands. Bei seiner Ehrung kündigte Menrath an, im kommenden Jahr erneut für den Vorsitz zu kandidieren.
Der 80. Verbandstag findet am 9. und 10. Juli 2027 in Balingen statt.
Weitere Berichte lesen Sie online unter www.shk-bw.de sowie im nächsten Rundschreiben.
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