112. Familientreffen der OL-Branche beim Walter-Bucerius-Seminar
Spannende Vorträge, intensiver Austausch zwischen den Teilnehmenden und gute Stimmung am Abend: Das war das Walter-Bucerius-Seminar 2026 (WBS). Kenner des Ofen- und Luftheizungsbaus wissen: Das WBS ist DER Branchentreff des Ofen- und Luftheizungsbaus (OL). Beim WBS ist jeder willkommen, ob Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber, Angestellte, Hersteller, Sachverständige oder Berufsschullehrerinnen und -lehrer. Dementsprechend kamen Anfang März mehr als 120 Teilnehmende an den schönen Titisee zum 112. WBS.
In den insgesamt zwölf Fachvorträgen an den drei Seminartagen zu aktuellen Themen aus Technik, Politik, Betriebsführung und Arbeitssicherheit wurde einmal mehr deutlich, dass das OL-Handwerk vor großen Veränderungen steht. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue Chancen für die Branche.
Weiterentwicklung im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Technik und Praxis
Ein Schwerpunkt lag auf den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Arbeitsalltag der OL-Betriebe zunehmend prägen. Der Berater Dr. Johannes R. Gerstner gab zum Auftakt Einblicke in aktuelle Gesetzgebungsprozesse aus Berlin und Brüssel und zeigte auf, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für die Ofenbranche ergeben.
Gleichzeitig stand die Frage im Raum, wie sich das Handwerk im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Technik und Praxis weiterentwickeln kann. Ofenbauer Serjoscha Dehn setzte sich kritisch mit der Bundesimmissionsschutzverordnung auseinander und zeigte, dass bei Prüfverfahren häufig die tatsächliche Wirkung eines Ofens im Wohnraum nicht ausreichend berücksichtigt wird. Sein Vortrag machte deutlich, wie wichtig neben Normen und Technik auch handwerkliche Erfahrung, physikalisches Verständnis und ein ganzheitlicher Blick auf das Heizsystem bleiben.
Weitere zentrale Themen des Seminars waren die Energiewende und die zunehmende Vernetzung verschiedener Heizsysteme. Steffen Häusler, Referatsleiter Technik beim Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg, erläuterte die gesetzlichen Anforderungen beim Anschluss von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen mit intelligenten Messsystemen. Die Inhalte zeigten deutlich, dass gerade in der Kombination unterschiedlicher Technologien große Chancen für das Ofen- und Luftheizungs-Handwerk liegen.
KI und Social Media im Ofenbau
Neben technischen Entwicklungen spielte auch die Digitalisierung der Betriebe eine wichtige Rolle. Frank Schöllkopf von S3-Medien gab einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz im Handwerk und zeigte live anhand konkreter Beispiele, wie Tools wie ChatGPT Betriebe bereits heute vielseitig unterstützen können. Ergänzend dazu zeigte Lisa Brunner, Referentin beim Fachverband SHK Baden-Württemberg, wie Handwerksbetriebe soziale Medien strategisch einsetzen können, um Kundinnen und Kunden zu erreichen oder Nachwuchs für das Handwerk zu gewinnen.
Ein weiterer wichtiger Themenblock widmete sich der Verantwortung der Betriebe für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Joachim Jäger von der BG Bau informierte über typische Risiken bei Arbeiten im Ofen- und Kaminbau und stellte Maßnahmen zum sicheren Umgang mit Leitern sowie zum staubarmen Arbeiten vor. Ergänzend dazu vermittelte der Ingenieur Wolfgang Rentschler fundiertes Wissen zum Umgang mit dem Gefahrstoff Asbest.
Auch der unternehmerische Alltag im Handwerk wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Matthias Scheible, Referatsleiter Recht beim Fachverband SHK-BW, informierte über aktuelle arbeitsrechtliche Fragestellungen im Handwerksbetrieb, während der Referatsleiter Technik, Jörg Knapp, Einblicke in typische Themen aus der technischen Betriebsberatung des Fachverbands gab.
Fehler vermeiden, langfristig gesund bleiben
Praxisnah wurde es im Vortrag von Jens Hilt, ganz nach dem Motto: Aus Fehlern lernen. Er berichtete anhand realer Beispiele typischer Planungs- und Ausführungsfehler aus seiner Tätigkeit als Sachverständiger und sorgte reihenweise für ungläubiges Kopfschütteln.
Zum Abschluss des Seminars richtete Stefan Eisele, Präsident des Landesinnungsverbands der Schornsteinfeger Baden-Württemberg, den Blick auf die Zukunft der Holzheizung. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Ofenbauern und Schornsteinfegern ist. Beide Gewerke arbeiten für dieselben Kunden und ein frühzeitiges Abstimmen kann dabei helfen, praktische Lösungen zu entwickeln und spätere Probleme bei der Abnahme zu vermeiden.
Auch ein eher ungewöhnliches, aber sehr wichtiges Thema fand Platz im Programm: Martina Manglea Glück sprach über Stress, Überlastung und Balance im Arbeitsalltag. Der Vortrag machte deutlich, wie fordernd der Arbeitsalltag im Handwerk ist und welche Strategien helfen können, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Der absolute Mehrwert des WBS liegt jedoch nicht nur in den Vorträgen: Die Referenten sowie der technische Berater des Fachverbands Jörg Knapp standen den Teilnehmenden jederzeit zur Verfügung, um individuelle Fragen zu klären.
In den Pausen, beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant Bergsee und beim traditionellen Schwarzwaldvesper stand dann der Austausch im Vordergrund. Die Teilnehmenden unterhielten sich über ihren Betrieb und fragten einfach mal: „Wie machst du das eigentlich?” Es entstand ein reger Erfahrungsaustausch, bei dem sich voneinander lernen lässt. Wichtig ist aber auch, fernab der Arbeit zusammen anzustoßen und eine gute Zeit zu haben. Ganz im Sinne des Walter-Bucerius-Seminars, das seit Jahrzehnten nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der OL-Branche stärkt.
Wir freuen uns schon auf das nächste Walter-Bucerius-Seminar, das vom 2. bis 4. März 2027 wieder wie gewohnt im Kurhaus am Titisee stattfinden wird!
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